Assistenzarzt in Teilzeit – No-Go oder schon Realität?

von Dr. med. Deborah Becker | Mai 22, 2024 | Blog | 0 Kommentare

Assistenzarzt in Teilzeit

Du bist Mutter oder Vater geworden, hast dies vor, einen aufwändigen Nebenjob, ein Zweitstudium oder einfach Lust auf mehr Freizeit? Dann ist dieser Artikel perfekt für dich geeignet.

Die neue Weiterbildungsordnung gibt dir die Möglichkeit, deine Facharztausbildung auch in Teilzeit durchzuführen. Somit kannst du verschiedenen Lebenssituationen gerecht werden und deine berufliche Entwicklung optimal gestalten.

Facharztweiterbildung bei der Ärztekammer – E-Logbuch

Mit dem E–Logbuch der Ärztekammer kannst du deine Facharztausbildung präzise auf den Tag und das Prozent genau berechnen. Eine Reduzierung der Weiterbildungszeit bis auf 20% sind möglich.

Spätestens seit Einführung der neuen Weiterbildungsordnung ist es laut elektronischem Logbuch möglich, eine Weiterbildung als Assistenzarzt in Teilzeit durchzuführen. Dabei kann die Weiterbildungszeit bis auf 20% reduziert werden. Hochgerechnet würde sich dann die Facharztweiterbildung für den Facharzt für Orthopädie/Unfallchirurgie, die normalerweise 6 Jahre dauert, allerdings auf 30 Jahre verlängern. Solche extremen Modelle werden daher zumeist nur zeitweise, z.B. von jungen Eltern oder neben einem Zweitstudium, in Anspruch genommen.

Der Arbeitgeber

Derzeit herrscht in Deutschland ein Arbeitnehmermarkt, was bedeutet, dass die Bedingungen für Arbeitnehmer so günstig wie selten zuvor sind. Wenn nicht jetzt …

Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, auf Wünsche zur Arbeitszeitreduktion einzugehen. Allerdings entscheidet der Arbeitgeber letztendlich, um wie viel die Arbeitszeit verringert wird.

Im aktuellen Wirtschaftsjargon spricht man von einem sogenannten Arbeitnehmermarkt. Dies bedeutet, dass Arbeitnehmer derzeit sehr gute Chancen bei der Jobsuche haben, da es mehr offene Stellen als verfügbare Arbeitskräfte gibt. In nahezu jeder Branche herrscht ein intensiver Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte. Auch viele Ärzte, insbesondere jüngere Generationen, fordern bessere Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle, was viele Arbeitgeber zwingt, darauf einzugehen.

Mittlerweile bieten sogar Universitätskliniken Teilzeitverträge für Assistenz- und Oberärzte an. In einigen Kliniken teilen sich zwei Ärzte eine Chefarztstelle. Teilzeitmodelle und Arbeitszeitreduktionen auf 70% oder 80% sind inzwischen fester Bestandteil von Einstellungsgesprächen.

Die Umsetzung

Die Erfahrung in meinem direkten Umfeld deckt sich mit deutschlandweiten Umfragen – es klappt in den meisten Fällen gut.

Noch vor 20 Jahren war es üblich, dass eine halbe Stelle in der Klinik, wenn sie überhaupt existierte, keine echte halbe Stelle war. Assistenzärzte in Teilzeit blieben oft länger als vereinbart und arbeiteten fast genauso viel wie ihre Vollzeitkollegen. Der einzige Unterschied bestand darin, dass sich die Facharztweiterbildungszeit verdoppelte und das Gehalt halbiert wurde.

Heute sieht die Situation meist anders aus. Durch die elektronische Arbeitszeiterfassung und die tageweise Einteilung der Kollegen tritt dieses Problem nicht mehr zwangsläufig auf. Zusätzlich geleistete Stunden müssen nämlich extra vergütet werden und kosten den Arbeitgeber in der Regel mehr als die Standardarbeitszeit. Daher wird vermehrt auf die Einhaltung der Arbeitszeiten geachtet. Besonders in Schichtarbeitsumfeldern, wie in Zentralen Notaufnahmen oder auf Intensivstationen, lässt sich dies durch Anpassung der Dienstanzahl einfach umsetzen.

Der finanzielle Aspekt

80% Arbeit bedeutet 80% Lohn? – Nicht unbedingt!

Eine allgemeine Aussage über das Gehalt einer Assistenzarztstelle in Deutschland zu treffen, ist aufgrund der Individualität der Arbeitsverträge und Arbeitgeber nicht möglich. Natürlich ändert sich dein Bruttogehalt entsprechend dem Prozentsatz deiner vertraglichen Arbeitszeitreduktion. Es kann jedoch sein, dass sich dadurch dein Steuersatz verändert, was dein Nettogehalt verbessern kann. Durch eine andere Wahl der Steuerklasse lassen sich ebenfalls Veränderungen im monatlichen Einkommen erzielen.

Zudem gibt es gesetzliche Regelungen zur Grund- und Dienstarbeitszeit. Bei 100% Weiterbildungszeit werden bis zu vier Dienste im Monat normal vergütet. Alle darüber hinaus geleisteten Dienste werden höher vergütet. Bei einer 80%-Stelle mit vier Diensten kann es sein, dass bereits der vierte Dienst in die bessere Vergütung fällt, sodass die letztendliche Vergütung zwischen einer 100%-Stelle mit vier Diensten und einer 80%-Stelle mit vier Diensten gar nicht allzu stark variiert.

Dies sind jedoch sehr spezifische Beispiele, die im Einzelnen mit dem Chef, der Personalabteilung oder Kollegen, die es bereits so machen, besprochen werden sollten. Fakt ist, dass du nicht zwangsläufig viel weniger verdienst als deine Kollegen mit 100%-Stellen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen: eine Arbeitszeitreduktion bei Ärzten ist heute keine Seltenheit mehr. Angst vor Konsequenzen für die Stelle oder eine verminderte Akzeptanz der Kollegen und Kolleginnen ist zumeist unbegründet. Der Assistenzarzt in Teilzeit muss nicht zwingend große finanzielle Einbußen erwarten, kann jedoch seine berufliche Entwicklung flexbler gestalten. Eine offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber / Chefarzt ist hier deine beste Chance!

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